
|
||||
Der Markt für Särge kommt nicht zur RuheTrauerfeier mit Sarg muss wieder an Bedeutung gewinnenDie deutsche Sargindustrie sieht nach wie vor kein Licht am Ende des Tunnels. Während die Zahl der Gestorbenen seit 2006 um rund 40.000 angestiegen ist, mussten die Inlandsproduzenten ihre Produktion seitdem um rund 70.000 Särge zurückfahren. Der Markt wird also zunehmend mit Importware versorgt. Nach vergleichsweise schwachem Jahresbeginn ging die Sargproduktion in Deutschland im ersten Halbjahr 2011 um 8 % auf 75.000 Särge zurück. Gleichzeitig sank der Umsatz um fast 10 % auf 14,4 Millionen €. Eine Entspannung der Marktsituation war auch in der zweiten Jahreshälfte nicht gegeben, allenfalls ein weniger ausgeprägter Rückgang. Für das gesamte Jahr 2011 beträgt die Inlandsproduktion voraussichtlich rund 142.000 Särgen, was einem Minus von 7 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der daraus resultierende Umsatz pendelte sich bei knapp 28 Mio. € (-8 %) ein. Die Absatzstatistik des VDZB, die auch Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern erfasst, bestätigt diesen Trend, allerdings nicht im gleichen Umfang. Bis einschließlich November sank hier der Absatz an Särgen aus Eigenproduktion um gut 3 %. Hingegen legte der Absatz mit Handelsware leicht um 1 % zu. Die den Absatz von Särgen, Bestattungswäsche und sonstigem Zubehör bestimmenden Sterbezahlen zeigen in 2011 bislang ebenfalls abwärts. Von Januar bis August - neuere Zahlen liegen nicht vor - ging die Zahl der Gestorbenen um 1,3 % auf 556.700 zurück. Dabei unterschritten in 5 der 8 Monate die Sterbezahlen das vergleichbare Vorjahresniveau. Ebenso erreichten in allen Bundesländern mit Ausnahme von Hamburg die Sterbezahlen für das laufende Jahr bislang nicht das Vorjahresniveau. Für das gesamte Jahr 2011 wird die Zahl der Gestorbenen voraussichtlich unter der Marke von 850.000 (2010: 858.800) bleiben. Eine Gegenüberstellung der Sterbezahlen und der Produktions- beziehungsweise Absatzzahlen zeigt, dass offenbar ein zunehmender Anteil des Geschäfts an der Branche vorbei läuft. Dies gilt für Särge und Bestattungswäsche gleichermaßen. Die Unternehmen beklagen, dass der Preiswettbewerb 2011 nochmals deutlich an Schärfe gewonnen hat und die Produkte zu Preisen angeboten werden, die jegliche vernünftige Kalkulation vermissen lassen. Da sind zum einen die vielen kleinen Händler- Ein- bis Zweimannbetriebe -, die sich in den letzten Jahren selbstständig gemacht haben und die ohne große Fixkosten über Land ziehen und ihre Ware an den Bestatter verkaufen. Diese haben zwar oft keine lange Lebensdauer, aber für jeden, der vom Markt verschwindet, taucht mindestens wieder ein neuer auf. Zum anderen sind es die großen ausländischen Hersteller, die teilweise an den deutschen Importeuren vorbei ihre Särge direkt an die Bestatter veräußern. Die Möglichkeit eines Befreiungsschlages über verstärkte Exporte ist den meisten Betrieben verschlossen. Während einige Unternehmen der Bestattungswäscheindustrie auf die Bedürfnisse der Empfangsländer angepasste Produkte erfolgreich in angrenzende Länder exportieren, lassen sich Särge bislang so gut wie gar nicht in unseren Nachbarstaaten platzieren. Auf der Kostenseite sind die Möglichkeiten der Einsparungen durch Rationalisierungen weit gehend ausgereizt. Vielmehr sind die Materialkosten für Schnittholz, Verbindungselemente, Lacke und Textilstoffe zum Teil deutlich angestiegen und lassen auch für dieses Jahr eine weitere Steigerung erwarten. Insgesamt rechnet die Branche 2012 bei ungewisser Entwicklung der Sterbezahlen mit einem unverändert schwierigen Marktumfeld bei anhaltend starkem Wettbewerbsdruck. Chancen kann sich die Branche nur erarbeiten, wenn es ihr gelingt, der Beisetzung als einem einmaligen Ereignis wieder den angemessenen Stellenwert zu verschaffen. Zu einer würdevollen persönlichen Abschiednahme der Angehörigen, mit der dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen wird, gehört die Trauerfeier mit Sarg. Diese soll wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden, auch wenn der Verstorbene anschließend eingeäschert wird. In einer konzertierten Aktion, die unter anderem Flyer und redaktionelle Beiträge in der Fachpresse und im Internet umfasst, wollen die Mitglieder des VDZB für dieses Ziel werben und dafür natürlich auch die Bestatter und die Kirche mit ins Boot holen. Ziel der für dieses Jahr geplanten Maßnahme ist es, dass Art und Umfang der Beisetzung nicht vom Preis diktiert, sondern von den individuellen Wünschen der Angehörigen beziehungsweise der Verstorbenen bestimmt werden. Bonn, im Januar 2012 |
||||